NGG-Umfrage im norddeutschen Gastgewerbe
Hohe Belastung, Personalmangel und fehlende Wertschätzung prägen den Arbeitsalltag:
Die Beschäftigten im norddeutschen Gastgewerbe stehen unter massivem Druck. Das zeigt eine vierwöchige Mitgliederumfrage der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Beschäftigten im Gastgewerbe aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Branche, die unter Personalmangel, hoher Arbeitsbelastung und fehlender Anerkennung leidet.
76 Prozent der Befragten empfinden ihre Arbeit im Gastgewerbe als „eher bis sehr belastend“. Als wesentliche Ursachen nennen die Beschäftigten Personalmangel, regelmäßige Überstunden, finanzielle Sorgen und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
„Die Umfrage zeigt deutlich, dass viele Beschäftigte an ihre Grenzen stoßen. Wer dauerhaft mit zu wenig Personal arbeitet, regelmäßig Überstunden leisten muss und zugleich um seine finanzielle Situation besorgt ist, kann diesen Zustand nicht unbegrenzt aushalten“, erklärt Finn Petersen, Landesbezirksvorsitzender Nord der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Besonders alarmierend ist die hohe Wechselbereitschaft in der Branche: 79 Prozent der Befragten denken zumindest gelegentlich darüber nach, dem Gastgewerbe den Rücken zu kehren. Fast jede dritte befragte Person (29 Prozent) denkt sogar sehr oft über einen Ausstieg nach.
Der Personalmangel wird von 75 Prozent der Beschäftigten als hoher Belastungsfaktor genannt. Gleichzeitig leisten 61 Prozent regelmäßig Überstunden. Bei 70 Prozent derjenigen, die Überstunden machen, werden diese kurzfristig – meist erst am jeweiligen Arbeitstag – angeordnet. Mehr als jede zweite befragte Person (53 Prozent) bewertet die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben als eher bis sehr schlecht.
Auch finanzielle Sorgen spielen eine große Rolle: 69 Prozent geben an, dass ihre persönliche finanzielle Situation belastend ist. Hinzu kommt ein Gefühl mangelnder Anerkennung. 70 Prozent der Befragten beklagen, dass ihre Arbeit und ihr Einsatz nicht ausreichend wertgeschätzt werden.
Ein deutliches Signal senden die Beschäftigten zudem in der Debatte um das Arbeitszeitgesetz. 90 Prozent sprechen sich für die gesetzliche Beibehaltung des Acht-Stunden-Tages aus.
„Die Beschäftigten machen klar, was sie brauchen: gute Löhne, verlässliche Arbeitszeiten und ausreichend Personal. Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss die Arbeitsbedingungen spürbar verbessern“, so Petersen weiter.
In der Umfrage konnten die Beschäftigten in Freitextfeldern aufschreiben, was aus ihrer Sicht die wichtigsten Stellschrauben für ein zukunftsfestes Gastgewerbe sind.
Die drei Top Themen unter 522 Antworten waren:
- Höhere Löhne und Gehälter
- Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge
- Mehr Personal und Fachkräfte
Für die NGG machen die Ergebnisse deutlich, dass die Zukunftsfähigkeit des Gastgewerbes entscheidend von besseren Arbeitsbedingungen abhängt. Die Beschäftigten seien bereit, ihren Beitrag zu leisten – erwarteten dafür jedoch faire Bezahlung, verlässliche Rahmenbedingungen und die notwendige Anerkennung ihrer Arbeit.
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Branchenbarometer Gastgewerbe (533 KB, PDF)
Blitzumfrage unter NGG-Mitgliedern im norddeutschen Hotel- und Gaststättengewerbe: Alle Befragungsergebnisse zum Download
Zur Umfrage:
Die NGG führte die Mitgliederumfrage über einen Zeitraum von vier Wochen unter Beschäftigten des Gastgewerbes in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen durch. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Arbeitsbelastung, Arbeitszeit, Personalsituation und Attraktivität der Branche als Arbeitsplatz.
Pressekontakt:
Finn Petersen (Landesbezirksvorsitzender NGG Nord) unter 0175-22 19989
oder Jeanine Weigel (Landesbezirkssekretärin NGG Nord) unter 0171-28 75571
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